
The Role of Controversiality in Virtual Exchange for Global Education in English Language Teaching: A Design-Based Research Study on Critical Telecollaboration Between Pre-Service Teachers
Fabian Krengel, Universität Regensburg
Welche Fragestellung aus dem Feld der Fremdsprachenforschung verfolgt das Projekt?
Das folgende DBR-Projekt war Gegenstand eines Promotionsprojekts, für das in drei Forschungszyklen über einen Zeitraum von zwei Jahren (2020-2022) ein hochschuldidaktisches Lehrkonzept konzipiert und durchgeführt wurde. Die Studie wurde im Sommer 2025 abgeschlossen. Die Publikation der Dissertation ist in Vorbereitung.
Die ursprüngliche Fragestellung des Projekts war es zu beforschen, wie eine Lehrveranstaltung in der universitären Lehrkräftebildung die ‚globalen (Lehr-)Kompetenzen‘ zukünftiger Englischlehrkräfte fördern kann, indem moderne Konzepte des virtuellen Austauschs (Virtual Exchange, VE), des globalen Lernens und der Aufgabenorientierung kombiniert werden. Die Zielsprache Englisch diente dabei als gemeinsame Verkehrssprache, um Lernaufgaben zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu entwickeln. Aufgrund eines Mangels an Konstrukten und Instrumenten zur Messung globaler (Lehr-)Kompetenzen wurde das Lehrkonzept im ersten Zyklus explorativ und qualitativ beforscht, u.a. auf der Basis von leitfadengestützten Interviews mit Co-Lehrenden und Teilnehmenden sowie mithilfe von reflexiven Portfolios und einem Forschertagebuch. Befunde aus dem Pilotzyklus haben zu einer Schärfung des Erkenntnisinteresses beigetragen: Die Hauptstudie befasste sich mit Möglichkeiten der Förderung des produktiven Umgangs mit Kontroversität und der Entwicklung von Ambiguitätstoleranz. Die Daten wurden einer reflexiven thematischen Analyse unterzogen.
Mit welchen Praxisakteur:innen wurde im Projekt zusammengearbeitet?
Im Laufe des Forschungsprojekts wurde mit sechs Hochschullehrenden an sechs verschiedenen Partneruniversitäten in insgesamt fünf Ländern zusammengearbeitet: Brasilien, Chile, Israel, Schweden und in der Türkei. Zwei der Dozierenden haben ebenfalls im Rahmen des Projekts Daten für ihre eigenen Dissertationen gesammelt. Alle Dozierenden waren jeweils für ihre lokale Lernendengruppe verantwortlich (10-30 Studierende pro Standort) und haben gemeinsam mit der Lehrperson/dem Forscher in Deutschland das Lehrprojekt entwickelt und angeleitet. Ebenfalls haben fünf Studierende in Deutschland ihre Masterarbeiten in dem Projekt geschrieben. Bis heute bestehen aktive Forschungs- und Projektpartnerschaften mit den Dozierenden in Brasilien, Israel und der Türkei.
Was entsteht aus dem Projekt (Praxis-/Theoriebeitrag)?
Das Projekt hat sowohl Beiträge zur Lehrpraxis in der ersten Phase der Lehrkräftebildung als auch zur Theoriebildung im Kontext des globalen Lernens durch virtuellen Austausch geleistet. Auf der Praxisebene ist ein Lehrkonzept inkl. eines Referenzdesigns entstanden, mit dessen Hilfe mehrmonatige virtuelle Austauschprojekte an Universitäten in Deutschland implementiert werden können. Bis heute wurde das Lehrkonzept über einen Zeitraum von sechs Jahren neunmal implementiert. Weitere Durchläufe befinden sich in Vorbereitung. Darüber hinaus wurde das Konzept auf wissenschaftlichen Konferenzen in Deutschland sowie in Brasilien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Spanien und der Türkei vorgestellt.
An der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis sind insgesamt sieben Designprinzipien im Forschungsprozess generiert und weiterentwickelt worden. Diese umfassen vier substanzielle und drei prozedurale Designprinzipien. Diese können sowohl bei der Implementierung von zukünftigen VE-Projekten als Richtlinien genutzt wurden, als auch bei der Theoriebildung im Spannungsfeld von virtuellem Austausch, globalem Lernen und des Fremdsprachenunterrichts unterstützen. Seit 2025 wird innerhalb einer wachsenden Community of Practice – bislang mit Mitgliedern in Israel/Palästina, dem Libanon, Schweden, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich – ergründet, inwiefern die Erkenntnisse des Forschungsprojekts Beiträge zur Friedenserziehung leisten können.
Auf der Theorieebene wurde eine lokale Theorie – d.h. im Kontext der Ausbildung von Englischlehrkräften in Deutschland – zum globalen Lernen in Kombination mit einem VE-Lehrkonzept zur Förderung des produktiven und proaktiven Umgangs mit Kontroversität sowie zur Förderung von Ambiguitätstoleranz entwickelt. Zentrale Desiderata im Kontext des globalen Lernens sind die bewusste Differenzierung zwischen neoliberalen, liberalen und kritischen Orientierungen sowie die theoretisch-konzeptionelle Ausgestaltung post-kritischer Zugänge. In Anlehnung an – und gleichzeitiger Abgrenzung zu – bestehenden Critical Virtual Exchange-Ansätzen wurde für diesen Zweck die Ausgestaltung eines Konzepts des dekolonialen globalen Lernens bzw. decolonial virtual exchange diskutiert.
Literatur
Krengel, F. (2021). “Glocal Education” through virtual exchange? Training pre-service EFL teachers to connect their local classrooms to the world and back. Global Education Review, 8(2–3), S. 138–153.
Krengel, F. (2025) „Ambiguitätstoleranz.“ In: Surkamp, Carola (Hrsg.). Metzler Lexikon Fremdsprachendidaktik. Ansätze – Methoden – Grundbegriffe. 3., aktualis. u. erw. Auf. Stuttgart: J.B. Metzler, S. 7–8.
Krengel, F. (i.V.) „The Role of Controversiality in Virtual Exchange for Global Education in English Language Teaching: A Design-Based Research Study on Critical Telecollaboration Between Pre-Service Teachers” (Dissertation).
