Welche Fragestellung aus dem Feld der Fremdsprachenforschung verfolgt das Projekt?

English Through Stories untersucht, wie literarische Kurzgeschichten im Englischunterricht der Sekundarstufe I wirksam eingesetzt werden können, um Wortschatz, Lesekompetenz und literarisches Verstehen zu fördern. Das Projekt möchte somit das Potenzial literarischer Texte erschliessen, das insbesondere in nicht-gymnasialen Schulformen häufig ungenutzt bleibt.

Im Zentrum steht die Frage, wie Unterrichtsdesigns gestaltet sein müssen, damit Lernende der Sekundarstufe I in der Deutschschweiz erfolgreich literarische Texte in der englischen Originalfassung lesen können. Untersucht wird dabei, wie sie Wortschatz aufbauen und unter welchen Bedingungen literarisches Lesen, etwa das Herstellen von Inferenzen, Perspektivenübernahme oder empathisches Verstehen, gelingt.

Mit welchen Praxisakteur:innen wurde im Projekt zusammengearbeitet?

Das Projekt entstand in enger Forschungs-Praxis-Kooperation zwischen einer Literaturwissenschaftlerin und Fachdidaktikerin für Englisch an der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie einer erfahrenen englischsprachigen Lehrpersonen an einer Zürcher Sekundarschule. Gemeinsam wurden sechs Kurzgeschichten ausgewählt und darauf abgestimmt Unterrichtssequenzen entwickelt. Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurden diese Sequenzen im regulären Unterricht gemeinsam erprobt. Im Klassenzimmer übernahm die Lehrperson die Leitung, die Wissenschaftlerin wirkte unterstützend mit. Erkenntnisse aus ersten Auswertungen flossen fortlaufend in die Weiterentwicklung der folgenden Unterrichtssequenzen ein. Diese Form der Zusammenarbeit stellte sicher, dass die Designs sowohl praxistauglich als auch theoretisch fundiert sind.

Was entsteht aus dem Projekt (Praxis-/Theoriebeitrag)?

Im Projekt entstehen erprobte Unterrichtsdesigns für einen kommunikativen, kompetenzorientierten Englischunterricht. Dazu gehören geeignete Kurzgeschichten, darauf abgestimmte Wortschatz- und Leseaufgaben sowie methodische Hinweise für Lehrpersonen.

Die formative Evaluation (qualitative Inhaltsanalyse von Schüler:innentexten) konzentrierte sich auf das literarische Lesen. Sie bietet neue Einblicke in Prozesse des literarischen Verstehens, in deren Zusammenspiel mit Aufgabenformaten sowie in das Verhältnis zwischen sprachlicher und literarischer Kompetenz. Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Annahme, dass literarisches Lesen zwingend eine hohe Sprachkompetenz voraussetzt, und leisten einen Beitrag zur Theoriebildung im Bereich literaturbasierten Fremdsprachenlernens.

Publiziert in: Binder, Sabine and Liana Pirovino. 2025. “Promoting Literary Reading in Lower Secondary English Language Classrooms.” CLELE – Children’s Literature in English Language Education 13 (1): 76-106. Article 4 – Binder & Pirovino – CLELE JOURNAL – children´s literature in english language educationCLELE JOURNAL – children´s literature in english language education

Die vertiefte Evaluation des Bereichs Wortschatzlernen ist für eine nächste Projektphase vorgesehen, in der die Unterrichtsdesigns zudem in einer breiter angelegten summativen Erprobung getestet werden sollen.